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04.09.2015 13:29
Kategorie: Wandern, Kristina
Von: Kristina

Die Erstbesteigung des Mo(u)t Scheins

Ein weiterer Tag wie aus dem Bilderbuch: Strahlendes Wetter, heiße Temperaturen – was soll ich noch großartig schreiben – schon fast etwas eintönig, dieser Sommer 2015. Nun ich sehe schon, nur mithilfe der Beschreibung des Wetters wird dieser Artikel nichts Außergewöhnliches. Ich sollte mich wohl dringend auf das Wesentliche konzentrieren: Die Erwähnung von „Wandern“, „Action“ und auch etwas „Gefahr“ klingen wohl eher nach einem tollen Tag in der Tiroler Natur.


Wie bereits erwähnt, lud das grandiose Wetter (nicht eine einzige Wolke war an diesem Spät-Morgen im August am Himmel zu sehen) zu einer lässigen Wandertour ein. Wie mein Prinzip des Öfteren lautet: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, führte die Tour wenig überraschend, auf einen Gipfel in der Achensee-Region: Auf den Montscheingipfel (2106m), von mir scherzhaft auch in Mount Schein umgetauft. In der hiesigen Region verblieben wir zwar, eine kleine Anfahrt zum Ausgangspunkt für die Tour mit dem Auto ist allerdings nötig, wer ganz sportlich ist, kann die Anfahrt auch mit dem Bike zurücklegen.

Wir fuhren also mit dem mehr oder weniger PS-starken Fortbewegungsmittel unserer Wahl in die Karwendeltäler (Mautgebühr von 5,- für Autos) in Richtung Gern-Alm. Wie gesagt nur in Richtung, denn kurz nach der Pletzach-Alm, nach einem kleinen Anstieg parkten wir das Auto auf einem Parkplatz auf der rechten Seite vor der Brücke.
Nachdem das bequeme Fortbewegungsmittel sicher abgestellt wurde, war es an uns: Rucksack schultern, Wanderstöcke einstellen und die geschmierten Wadel in Bewegung setzen. Das erste Zwischenziel auf dem Weg zum Gipfel ist der Schleimssattel. Diesen erreicht man nach relativ unspektakulären 1 ½ Stunden auf dem Forstweg. Zeit zum Ausrasten bleibt zwar keine, da es stet bergauf geht, zum Quatschen und untereinander Fachsimpeln über Wanderausrüstung und sonstige wichtige Dinge reichte die Luft aber allemal. Am Schleimssattel angekommen muss man sich erst einmal kurz einen Überblick verschaffen: Man hat die Wahl zwischen Schleims-Alm und Überschuss-Alm, Montscheinspitze – oder für all jene, die bereits genug Almluft inhaliert haben – wieder der Rückweg in Richtung Parkplatz. Worauf unsere Wahl fiel ist bekannt!

Nach dem etwas anstrengenden, jedoch gemütlichen Erstanstieg auf den Sattel erfolgte ein noch gemütlicher Weg durch einen lichten Wald. Dieser Pfad, von Gräsern, Steinen und Bäumen gesäumt war so gemütlich, dass man die leichte Steigung, die uns immer mehr an Höhe gewinnen ließ, gar nicht wahrzunehmen schien (wirklich unfassbar gemütlich dieser Teil ;-)). Nach diesem feinen, jedoch trügerischen Abschnitt gerieten wir zu einem kleinen, leicht ausgelagerten Aussichtspunkt, der den Blick auf den wunderschönen Achensee freigibt und uns dazu einlud, eine kleine Trinkpause zu machen. Die Beschreibung meiner Tour klingt, zugegeben so, als hätten wir sie mit links zurückgelegt und der gesamte Tag verlief geschmiert wie Butter. Das war auch so – bis zu diesem Zeitpunkt. Achtung, jetzt wird’s gefährlich ;-)

Anfänglich wurde es eigentlich nur steiler, gut ist noch machbar. Als wir den kleinen Hügel erklommen hatten, wurde uns aber bewusst, was auf uns wartete: Der ganze Berg inklusive Gipfel ragte vor uns in die Höhe. Jetzt war es also soweit: Die in den vielen Tourenbeschreibungen erwähnte Kletterpassage mit Schwierigkeit eins stand uns bevor. Die Stecken empfiehlt es sich hier einzupacken und sich fallweise auf allen Vieren fortzubewegen. Mal über kleinere Felsen, mal über größere, all’ unsere Kräfte mussten noch einmal mobilisiert werden und der Einsatz all unserer Sinne war nun gefragt. Konditionell ist der Berg gut zu schaffen, Schwindelfreiheit sollte man dann doch besitzen. Nach etwa weiteren 45 Minuten des Kletterns, Gehens, Fortbewegens auf allen Vieren und Verschnaufens war es so weit, das Gipfelkreuz war in greifbarer Nähe. Der Schein sollte allerdings trügen: Da man von hinten her to the Top geriet, wollten erst noch zwei, drei kleinere Kurven bewältigt werden. Dann aber, nach ca. 2 ½ Stunden die große Erleichterung: Oben am Gipfelkreuz befindet man sich wirklich dem Mond (und auch dem Himmel) sehr nah, auch der Achensee liegt in steter Sichtweite.

Jetzt wurde erst einmal unsere Bergsteigerjause ausgepackt: Zwetschgen, Äpfel, Brot, Wurst, Käse, wir tischten auf wie die Weltmeister – so fühlten wir uns nach diesem Marsch auch J
Diese Pause zum Kräftesammeln war auch nicht unwichtig, denn der Abstieg, vor allem über die Felsen, erforderte noch einmal unsere ganze Konzentration. Er fiel summa summarum trotzdem aber um einiges leichter als der Aufstieg. Alternativ könnte man auch über die Route über das Plumsjoch absteigen. Dieser Weg würde allerdings direkt in die Gernalm führen und wir hatten unser Auto schließlich etwas weiter entfernt von dieser geparkt.

Zur Info: Ich habe mich übrigens nicht vertippt, der Montschein hat seinen Namen vom ursprünglichen rätoromanischen Wort „Mont“, welches soviel wie Berg bedeutet.

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