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31.07.2015 12:36
Kategorie: Nicole, Wandern, Kulinarik
Von: Nicole

Kraxln wie die Gämse ...

... so jedenfalls muss es ausgesehen haben, als Kristina und ich uns auf eine Reise durch das Erdzeitalter begeben und den Geoweg – einen wunderschönen und lehrreichen Rundwanderweg auf dem Rüfkopf in Lech am Arlberg – erkundet haben.


Wie akrobatische Archäologen hüpften und kraxelten wir teils behände (Kristina), teils ungraziös und plump (meine Wenigkeit) von Stein zu Stein immer auf der Suche nach der nächsten (Wander-)Markierung, um ja nicht vom Weg abzukommen und etwaige urzeitgeschichtliche Spuren und Überbleibsel von vor bis zu 200 Millionen Jahren zu übersehen.

Aber erst einmal alles auf Anfang. Los ging’s zuerst mit der Rüfikopfbahn im Zentrum von Lech auf 2.350 m hinauf zum Rüfikopf. Von dort hätte man einen schönen Panoramablick auf die umliegende Bergwelt – die Betonung liegt auf „hätte“ – wäre da nicht der lästige Nebel gewesen. Andererseits hatte er aber auch etwas Mystisches an sich als er die Rüfispitze in seinen hellgrauen Mantel hüllte und nur hier und da, wenn die Sonne im Kampf gegen die Wolken die Oberhand gewann, ein saftiges Grün der Almwiesen oder gar das Gipfelkreuz selbst, das majestätisch auf der Spitze thront, hervorlugte. Inmitten der frischen Bergluft und der angenehmen Stille fühlte man sich wie in eine andere Zeit zurückversetzt.

Am Beginn unserer Wanderung bogen wir nach der Bergstation rechts ab und stellten uns zuallererst einmal vor die große Schautafel „Der Ozean am Rüfikopf“ und stimmten uns mit interessantem Faktenwissen auf die bevorstehende Expedition ein. Wusstet ihr zum Beispiel, dass sich die Gegend von Lech früher in Äquatornähe befand, und dass dort, wo sich heute mächtige Gipfel zusammengefaltet haben, einst ein Meer war. Nein? Jetzt schon! Muscheln, Seeigel und urzeitliche Tintenfische tummelten sich damals in den Tiefen des Meeres. Heute erinnern steinerne Zeitzeugen wie Nautiliden, spitze Spuren von Seeigel-Stacheln in den Felsen, Kuhtrittmuscheln (Megalodonten) und Schlammspuren an längst vergangene Zeiten. Auch Klimaveränderungen lassen sich anhand der verschiedenen Gesteinsverfärbungen ablesen.

Folgt man den Markierungen am Geoweg, die möglichst der Chronologie der Erdgeschichte folgen, so kann man das Entstehen der imposanten Berge mitverfolgen. Klug wie wir waren, gingen wir den Weg natürlich genau umgekehrt/rückwärts. Mit Hilfe der Wanderwelten-Broschüre von Lech-Zürs kann man den Weg aber ganz einfach nachverfolgen und –gehen.

Nachdem wir zuerst einen breiten Alpweg bergab gingen und dabei einen super Blick auf die Rüfispitze erhaschten, kamen wir schließlich zu einem etwas steileren Hang, der hinab zum Monzabonsee führt. Unten angekommen führt ein kleiner Rundweg um den See, wo wir die ersten erdgeschichtlichen Überbleibsel – ein Nautilus-Fossil – entdeckten.

Daneben hat uns v.a. die wunderschöne Blumenwelt fasziniert. Zwar mache ich als Pflanzenkundler eine ziemlich schlechte Figur – Margeriten und Edelweiß sind so ziemlich die einzigen Alpenblumen, die ich ohne Pflanzenführer benennen könnte – aber welche Frau genießt nicht den Anblick bunter Alpenblumen, die das Ufer eines Bergsees oder die Almwiesen eines Hanges zieren?!

Rechts vom Monzabonsee ging es schließlich wieder ein Stückchen bergauf zum alpinen „Steingarten“, wo wir neben einer sehr tiefen Grotte, die mit Seilen abgesperrt war, damit keiner hineinfällt, auch Megalodonten- (Kuhmuscheln) und Schlammspuren im Felsen entdeckten.

Wie die Gämse hüpften und kletterten wir mehr oder weniger elegant über die verschiedenfarbigen Gesteinsformationen und Felsen – was ganz schön anstrengend sein kann. Schließlich muss man zum Teil höllisch aufpassen, wo man hintritt. Der ganze Rundweg ist in 2,5 Stunden zu meistern. Gute, rutschfeste und knöchelhohe Wanderschuhe sowie Trittsicherheit sind auf jeden Fall empfehlenswert, ansonsten landet man schnell auf dem Hintern. Und da uns langsam die Kräfte und die Konzentration verließen, ging’s wieder zurück auf den breiteren Alpweg und zur Bergstation der Gondelbahn, wo wir uns in ein gemütliches Strandkörbchen pflanzten und uns die Wartezeit auf die Bahn (sie fährt alle 30 min in der Hauptsaison) mit einer gesunden Jause verkürzten.

Mit der Rüfikopfbahn ging’s schließlich wieder bergab. Als wir durch die Wolkendecke immer tiefer gen Tal hinabgondelten, lichteten sich die Wolken und eröffneten einen wunderschönen Blick auf Lech, das von wärmenden Sonnenstrahlen verwöhnt wurde. Bevor’s zurück nachhause ging, gönnte ich mir zum Abschluss noch eine leckere Sachertorte auf der Sonnenterrasse des Tannbergerhofs, der sich im Zentrum von Lech und nur ein paar Meter von der Talstation der Rüfikopfbahn befindet.

Damit ging ein wunderschöner und lehrreicher Tag zu Ende. Der Geoweg ist v.a. auch für Schülergruppen und Familien ein echtes Abenteuer. Schule mitten in der Natur – ein Freizeittipp für alle Eltern, die möchten, dass ihre Kinder auch in den Ferien etwas für ihre Bildung tun und nicht nur auf der faulen Haut liegen. So zumindest die Aussage einer eifrigen Wanderin, die wir auf dem Weg getroffen haben ;)

Lech am Arlberg

Rüfikopf-Bahn

Alpiner Steingarten

Nebelverhüllte Rüfispitze

Informationstafel Geoweg Rüfikopf

Blumenmeer

Monzabonsee

Nautilus Fossil

Seeufer mit Blumen

Erdzeitgeschichtliche Überbleibsel

Wunderschöne Felsformationen

Tiefe Grotte

Megalodonten-Spuren (Kuhmuscheln)

Schlammspuren

Ein traumhafter Ausblick auf den alpinen Steingarten

Talfahrt Rüfikopf-Bahn

Panoramablick auf Lech

Sachertorte auf der Sonnenterrasse des Tannbergerhofs

Hotel Tannbergerfhof in Lech