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15.06.2015 14:11
Kategorie: Kristina, Biken
Von: Kristina

One hell of a ride – MTB am Kitzbüheler Horn

Den Titel, der eigentlich dem Film über die Abfahrtsstrecke auf der Streif gehört, möchte ich mir für meinen heutigen Artikel ausleihen, weil ich finde, dass er sehr gut meine dazugehörigen Gefühle beschreibt. Übermütig und vor Motivation nur so strotzend, beschlossen meine Freundin und ich, das knapp 2.000 Meter hohe Kitzbüheler Horn zu erradeln. Mit erst einer kleinen Mountainbike-Tour in den Füßen, ein etwas anstrengendes Unterfangen, aber dazu später mehr ;)


Beginnen wir erst einmal mit dem angenehmen Teil: Strahlend blauer Himmel, warme, ja schon fast heiße, sommerliche Temperaturen jenseits der 25 Grad und weit und breit keine Gewitterwolken in Sicht. Wie könnte man ein Wochenende also besser (aus sportlicher Sicht natürlich) starten, als mit einer Mountainbike-Tour? Diese Frage musste ich auch meiner sportbegeisterten Freundin nicht zweimal stellen – der Entschluss und die Wahl der Route waren somit schnell gefasst: Eine Sonnenuntergangstour auf das Kitzbühler Horn sollte es werden.

Ausgerüstet mit Helm und vor allem genügend Flüssigkeit im Gepäck, starteten wir -pünktlich wie eine Schweizer Taschenuhr - um 17.00 bei immer noch schwülen 22 Grad.  Ausgehend von Oberndorf in Tirol erfolgte ein angenehmes Aufwärmen der Wadl, denn wir mussten erst zu unserem eigentlichen Ausgangspunkt nach St. Johann. Entlang der Hauptstraße und vorbei am Bezirkskrankenhaus und an den Bergbahnen St. Johann war es nach weiteren ca. 500 m Zeit, abzubiegen und den Weg nach oben auf uns zu nehmen. Der Wegweiser mit der Zeitangabe „Kitzbühler Horn 7 h“ vermittelte uns einen ersten Eindruck, was wir uns da vorgenommen hatten. Aber wir waren ja positiv eingestellt – schließlich handelt es sich dabei um die Vorgabe für Wanderer und wir hatten ja einen Zweiradantrieb dabei.

Die ersten Höhenmeter legten wir auf asphaltierten Serpentinen und in der prallen Sonne zurück – was soll ich dazu sagen .... das war Fahrspaß pur :-D
Es ist für mich jedoch immer erstaunlich, wie schnell man an Höhe gewinnt und so erreichten wir nach nicht allzu langer Zeit den Forstweg, der sich abwechselnd durch den Wald und somit auch etwas schattiger präsentierte. Auf den kommenden Kilometern arbeiteten wir uns unspektakulär weiter nach oben: Mal etwas steiler, mal weniger anspruchsvoll, aber insgesamt auf einem gut erhaltenen Forstweg mit genügend Flachstücken, um sich zwischendurch auch wieder ausruhen und sich sogar unterhalten zu können. Für den Fall, dass alle Luft zum Atmen gebraucht wird, so sollte man auf alle Fälle das einzigartige Panorama genießen! Während auf der Bergseite z.B. die Blattlalm oder die Obingalm und unzählige Exemplare an Fleckvieh zu begutachten sind, erhält man auf der Talseite einen einmaligen Blick auf die umliegenden Ortschaften, wie z.B. Fieberbrunn. Nach einer kurzen, aber rasanten Abfahrt vom Reisenbergköpfl (schade um all’ die bereits zurückgelegten Höhenmeter!!) befanden wir uns bereits mitten im Schigebiet rund um das Kitzbühler Horn. Bei der Unteren Raintalalm und nach knapp zwei Stunden Fahrzeit war es somit höchste Zeit eine erste Verschnaufpause einzulegen, am Wassertrog unsere Trinkflasche nachzufüllen und ein kurzes Resümee über die bisher zurückgelegten Kilometer zu ziehen: Nicht gerade ein Spaziergang, aber eigentlich für jeden begeisterten Hobby-Mountainbiker zu schaffen. Durch aufkommenden Wind und eine dicke Wolkendecke verunsicherte uns das Wetter zusehends – wir entschlossen uns daher zu einer raschen Weiterfahrt. Ab hier wird der Weg eindeutig stetig steiler und schroffer – nur mehr bedingt ein Vergnügen. Wir passierten die Obere Raintalalm, wo noch reger Betrieb herrschte und in paar Jungtiere soeben mit einem Anhänger auf die Alm gebracht und vom Altbauern in Empfang genommen wurden . Beim Anblick unserer angestrengten, hochroten Gesichter hatte er auch für uns ein paar aufmunternde Grußworte parat. 

Auf den letzten Kurven hoch bis zur Hornköpflhütte machte sich mein bisher fehlendes Training bemerkbar. Ein Indianer kennt bekanntlich keinen Schmerz und so erreichte ich unter heftigem Fluchen (was mir allerdings auch nicht großartig weiterhalf) einige Minuten nach meiner Freundin die bewirtete Almhütte. Die Sonnenterrasse und ein Schild auf dem frische Buttermilch angepriesen wurde, waren verführerisch und luden zu einem Einkehrschwung ein – den Fernsehturm bereits vor Augen, entschieden wir uns dieses Mal aber dagegen.
Da der Fahrweg an der Hornköpflhütte endet, war die nächsten gut 30 Meter bis hoch zur Bergstation des Sesselliftes schieben angesagt. Für uns kein Problem, denn wer sein Rad liebt, der schiebt.;) Durch das Drehkreuz und kurz über die Wiese erreichten wir die schon gut sichtbare Asphaltstraße auf das Horn, welcher wir für kurze Zeit folgten. Die letzte Etappe bewältigten wir zu Fuß, durch den wunderschön angelegten Alpenblumengarten in dem über 300 Sorten an Alpenblumen zu bewundern sind. Etwas durch den nahenden Sonnenuntergang unter Zeitdruck gesetzt, mobilisierten wir die letzten Kräfte und sprinteten weiter bergauf.  

Nach etwas mehr als anstrengenden dreieinhalb Stunden durften wir uns endlich ein fröhliches „Berg Heil“ wünschen, nach dieser Zeit war uns der Gipfelsieg vergönnt – ein atemberaubender Sonnenuntergang leider nicht. Denn eine riesengroße Wolke hatte die Sonne bereits vollkommen verschluckt, schade! Nach kurzen Minuten des Ruhmes beschlossen wir, angesichts der nahenden Dämmerung, die Heimreise möglichst schnell anzutreten – diesmal allerdings entlang der asphaltierten Panoramastraße. Vorbei am Alpenhaus und an vielen Motivationsnachrichten für Teilnehmer des Horn Berg-Radrennens, welches heuer bereits zum 35. Mal statt findet, ließen wir unsere Bremsen heiß laufen.
Der Mantel der Dunkelheit hatte sich nun nahezu komplett über die Landschaft ausgebreitet und unsere Stirnlampen leuchteten uns den verbleibenden Weg zurück zum Ausgangpunkt in Oberndorf.

Was von der Tour sonst noch blieb? Sitzen auf schmerzenden vier Buchstaben, ein wenig Stolz und unvergessliche Erinnerungen an eine tolle Tour.

Blick aufs Horn

Gipfelkreuz

Koasa