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04.03.2014 15:44
Kategorie: Noch mehr Sommerspaß
Von: Chris Lemke

Der Frühling beginnt - die Schlucht ruft

Als ich am letzten Freitag testweise mit kurzen Hosen auf meinem Balkon gestanden bin und mir die Sonne schön warm auf die Stirn geschienen hat trieb es mir ein Lächeln ins Gesicht. Von meiner kleinen Münchner Wohnung kann ich die Berge sehen. Was mich aber besonders an unseren Alpen interessiert sind nicht die schneebedeckten Berggipfel, sondern vielmehr die Schluchten, die sich dazwischen befinden. Denn ich bin Canyonaut.


Und damit habe ich es oft nicht leicht. Denn viele sind mit dem Begriff nicht vertraut, und wer könnte es ihnen schon verübeln? [?k?nj?n??] ist bei weitem kein Selbstläufer wie z.B. klettern. Trotzdem, mich hat die Leidenschaft gepackt.

Was macht Canyoning aus?

Das ist eine gute Frage, denn Canyoning ist vielseitig. Vor jeder Tour steht eine akribische Tourenplanung mit Kartenmaterial, Wettervorhersage und Ausrüstungscheck bevor. Denn das Spannende am Canyoning ist: Einmal abgeseilt ist der nächste Ausstieg unter Umständen sehr weit entfernt. Denn in den richtig coolen Schluchten geht es rechts und links des Baches glatte, meterhohe Felswände hinauf. Das führt manchmal dazu, dass es in der Schlucht richtig duster und mystisch wird, eine spektakuläre Naturlandschaft!

Und dann kommen die Sahnehäubchen einer jeden Tour: Hierbei handelt es sich meistens um hohe Sprünge, teilweise von exponierten Felskanten. Auch hoch im Kurs stehen selbstverständlich Rutschen. Die sind teilweise so perfekt, dass ich mich schon hin und wieder gefragt habe, ob diese nicht in Fernost gefertigt worden sind und dann in einer Nacht- und Nebelaktion in den Schluchten "installiert" worden sind. Aber nein, perfekter als die Natur kann man es nicht machen.


Hin und wieder passiert es mir, dass ich meine Touren so actionreich wie nur möglich gestalte. Da motiviere ich meine Gäste, die Sprünge zu erhöhen, rasantere Rutschpositionen zu wählen oder schneller abzuseilen. Und das ist aber gar nicht das Ziel. Es sollte jeder Gast aus der Schlucht gehen und für sich sagen: Das war ein tolles Erlebnis. Und nicht jeder braucht 10m Sprünge über eine Felsnase in einen kleinen, tiefgrünen Tümpel. So ermahne ich mich und versuche jedem Gast sein individuelles Highlight des Bergaufenthaltes zu bieten.

Was für Touren gibt es?

Wie in jedem Sport gibt es Canyoningtouren von - bis. Zu empfehlen ist klarererweise immer, sich erstmal eine Anfängertour auszusuchen und dann zu schauen ob abseilen im Wasserfall, gehen durch einen Gebirgsbach oder konstantes beschallen durch den Guide überhaupt Spaß macht. Wer natürlich schon durch Klettern, Klettersteige oder andere Bergsportarten vorbelastet ist, kann sich guten Gewissens eine sportlichere Tour aussuchen. Die meisten Canyoninganbieter teilen ihre Schluchten nach Höhe der Abseiler, Sprünge und Rutschen ein, hier kann dann jeder für sich selbst entscheiden was am besten passt.


Bei uns im Allgäu ist das sehr übersichtlich. Es gibt eine entspannte Einsteigertour, das ist der Gunzesried bei Sonthofen. Hier findet man Rutschen, Sprünge und Abseiler im Wasserfall und das Beste ist: Alles ist optional. Denn der Wanderweg führt quasi direkt neben dem Bach her. Die nächstsportlichere Variante ist die Starzlachklamm. Hier ist der Name Programm und man ist über eine längere Passage in einer schönen Engstelle unterwegs. Und ein Highlight ist die Kobelache bei Dornbirn. Hier hat der Bach einen monumentalen Dom ausgespült und die Schlucht besticht durch weißen Fels, abwechslungsreiche Landschaft und eine sportliche Länge: Denn hier kann man bis zu 5h ununterbrochen canyonieren. Lust bekommen? Dann lass uns im Sommer gemeinsam eine Tour machen!

 

Bildrechte: Chris Lemke

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