< Erfrischung, Schatten, Abkühlung
18.08.2015 17:05
Kategorie: Biken, Kristina
Von: Kristina

Drei (vier) Seen-Tour mit dem Mountainbike

Zugegeben, die Erlebnisse, die ich nun schildern werde, sind nicht ganz aktuell. Die Hitzewelle, der Sommer 2015 und Mountainbiken sind aber auch bei normal-gemäßigten Temperaturen und Regen ein Thema und noch lange nicht vorbei – und ja, den Radsport betreibe ich sowieso den ganzen Sommer lang, also möge man mir die paar Tage, die in der Zwischenzeit seit meinem Erlebten verstrichen sind, verzeihen.


Was habe ich also an besagtem Tag vor? Die Seen-Runde um den Reintalersee & Co. möchte ich bestreiten. Los geht’s mit einer gemütlichen Abfahrt von Maurach nach Wiesing. Über den Forstweg in Eben, der im Winter zu einer lustigen Rodelpartie einlädt, bläst einem der Fahrtwind angenehm in das Gesicht. Einige andere Radler haben sich schon für die anstrengendere Variante der Route entschieden und treten bergauf, im Vorbeifahren grüße ich sie freundlich und lächle (noch!). Angekommen im Ortskern des etwas mehr als 2000 Einwohner zählenden Dorf, biege ich an der Kirche rechts und nach nur wenigen Metern links ab. Durch ein kleines Wohngebiet führt mich die Straße auf den Innradweg. Zu meiner Überraschung rolle ich immer noch ohne großes Zutun meinerseits voran. Unter einer Eisenbahnbrücke geht es nun ein kleines Stück in Richtung Innsbruck, das ist zwar nicht meine Gewünschte, jedoch existiert erst bei Rotholz eine Abzweigung zum autofreien Radweg nach Kufstein - und Sicherheit geht nun mal vor.

Der Innradweg ist einfach toll und für warme Temperaturen bestens geeignet: Ohne große Anstiege kann man das perfekte Tempo fahren. Es geht an Strass, dem ersten Ort des Zillertals vorbei und schon bald befinde ich mich im Bezirk Kufstein. Ein Blick nach rechts und schon sticht mir das Schloss Gut Matzen ins Auge, auf der linken Seite begleitet mich eine Zeit lang der grün-braune Inn. Bei Kramsach führt der Weg über eine Brücke auf die andere Seite des Flusses, eine Wegsperre verwirrt mich. Da ich diese Strecke ewig nicht mehr gefahren bin, stehe ich routentechnisch etwas an. Fahre ich weiter, bin ich der Meinung, dass ich erst in Rattenberg auf die richtige Straße komme, nehme ich die Abzweigung, so folge ich dem Straßenverlauf in die Richtung, aus der ich gerade gekommen bin – wer will schon überflüssige Kilometer zurücklegen? Also entscheide ich mich dafür, die nahegelegene Brücke über die etwas verwachsene Treppe zu erklimmen. Wie ein bekannter Spruch besagt, schiebt jeder begeisterte Biker sein Fahrrad wenn’s sein muss. Ich liebe meinen kleinen Tom Turbo allerdings so sehr, dass ich ihn auch über 20 Stufen hochschleppe.
Nun kann ich mich wieder besser orientieren. Normalerweise zweige ich hier immer mit einigen PS mehr, von der Autobahn kommend, ab. In Kramsach folge ich der Beschilderung erst einmal in Richtung  Brandenberg, nachdem ich mich durch den Ort durchgeschlängelt habe, den Wegweisern zum Reintalersee bzw. zum Museum der Tiroler Bauernhöfe. Ich liebe es, mit dem Bike auf Berge hinaufzufahren – noch mehr genieße ich Touren auf dem Land, dort nimmt man einfach mit allen Sinnen wahr, wo man sich befindet. Vor allem nehme ich meine Umgebung nun durch den Duft in meiner Nase wahr, als mich ein Traktor bei leicht ansteigender Strecke überholt. Schon bald erreiche ich Numero Uno: Der nur etwa 450x100 Meter große Buch See. Dieser versteckt sich am Fuße des Voldöppbergs neben seinem etwas größeren Bruder, dem Krummsee. Kneippen, Baden und Herumtollen – hier erhält jeder Besucher eine willkommene Abkühlung, zumindest bei „normalen“ Tiroler Durchschnitts-Sommertemperaturen, durch die anhaltende Dauerhitze ist die Wassertemperatur auch hier auf Badewannenniveau angestiegen.
Nur wenige Minuten und eine kleine Ansteigung später erreiche ich den Reintalersee. Die Liegewiesen sind bis auf den letzten Zentimeter gefüllt und auch im Wasser geht’s rund: Ich entscheide mich für eine kleine Erfrischung und genieße das Geschehen aus der Entfernung auf der Terrasse des Restaurants. Schenkt man einem alten Sprichwort seinen Glauben, rostet man beim Rasten ein – also nichts wie zurück auf den Sattel und weiter! Über Breitenbach und schließlich Kundl erreiche ich wieder den Radweg, auf welchem ich die Rückfahrt antrete. Vorbei am schönen Rattenberg führt mich mein Weg bald wieder auf denselben Weg, wie bei der Hinfahrt.
Allmählich dämmert es mir, welche Anstrengungen mich noch erwarten. Zwar trennt die Gemeinden Wiesing und Maurach nur eine Luftlinie von wenigen Metern, in Höhenmetern gerechnet sieht die Sache etwas anders aus. Mitten am Nachmittag stehe ich nun bei brütender Hitze am Dorfplatz von Wiesing und frage mich, wo die angekündigten Wolkendecken und allmählich einsetzenden Gewitter bleiben.  Da kein Weg daran vorbei führt, schwinge ich mich beherzt zurück auf das Rad. Die Sonne knallt mit aller Kraft vom Himmel und bei gefühlten 40°C kämpfe ich mich bergauf. Ich komme mir vor, wie ein Extremsportler, der für das Race Across America trainiert. In meinem Kopf höre ich die Titelmelodie zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ und ich habe das Gefühl, als ob meine Reifen auf dem nahezu glühenden Asphalt schmelzen. Abgestiegen wird jedoch nicht, alles nur eine mentale Sache: Der Kopf sagt nein, die Füße schreien nach einer Pause. Das Café Rofan passiert, ist der schwierigste Teil (für mich persönlich jedenfalls) geschafft. Vorbei am Bauernhof und unter der Unterführung durch geht’s  zurück auf den etwas schattigeren Forstweg. Endlich schieben sich ein paar dünne Wolken vor die Sonne und erleichtern mir die Auffahrt erheblich.
Ich bin froh, als ich etwas erschöpft und ziemlich verschwitzt die Pfarrkirche in Eben erreiche – See Nummer vier, der Achensee liegt nun in Greifweite.

Für die Tour kann man etwa einen gemütlichen halben Tag einplanen, entscheidet man sich für einen Schwimm- oder ausgiebigen  Einkehrschwung in einen der Seen, ist man einen ganzen Tag beschäftigt.