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06.07.2015 11:20
Kategorie: Kristina, Wandern
Von: Kristina

Guten Morgen Sonnenschein

Ob eine Fahrt hoch in den Norden nach Deutschland (Abfahrt um 4.00 Uhr morgens), eine Sonnenuntergangtour am Kitzbüheler Horn, welche uns erst um 22.00 Uhr ins Tal zurückführte oder mein Erlebnis am vergangenen Wochenende - ich weiß nicht ob es an den hohen, in unseren Breitengraden nicht unbedingt üblichen Temperaturen liegt oder es sich einfach um Zufall handelt, in letzter Zeit bin ich jedenfalls sehr nachtaktiv.


Der Wecker klingelt, es ist 2:45 (nein, ich habe mich nicht verschrieben;)). Dieses Ereignis als „Tagwache“ und meinen allgemeinen körperlichen Zustand als wach zu bezeichnen wäre übertrieben, aber Vorhaben ist Vorhaben und wer Außergewöhnliches erleben will, muss sich auch an außergewöhnlichen Uhrzeiten vom geliebten Bett trennen können.
Noch etwas schläfrig begrüße ich meinen Wander-Buddy und lasse mich für ein paar Minuten in den weichen Autositz fallen. Diese Gemütlichkeit währt allerdings nur für eine kurze Dauer: Die Luftlinie zwischen meinem Zuhause und dem zu besteigenden Bärenkopf (1991m) beträgt in etwa 500 Meter – wir wandern also auf meinen Hausberg.Als mir kurze Zeit später meine Freundin mit ihrer unzählige Watt starken Stirnlampe mitten ins Gesicht leuchtet, bin ich hellwach (und für kurze Zeit etwas blind) und auch der Rest meines Körpers hat kapiert, dass die Ruhephase für diese Nacht nun vorbei ist.

Den Startpunkt findet unsere Besteigung wo der Achenseedampfer und die Achensee Bahn aufeinandertreffen: Von einem Parkplatz namens Seespitz geht es über einen Forstweg bergauf. Ich muss gestehen, sich bei völliger Dunkelheit durch den Wald zu bewegen, als einzige Lichtquelle die eigene Stirnlampe und den abnehmenden Vollmond zu wissen, ist ein unangenehmeres Gefühl als noch zu Anfang gedacht. Einen Puls von 200 haben wir wohl beide als wir mitten auf dem Weg auf eine Herde von Kühen treffen. Mit denen haben wir nicht gerechnet, die Kühe mit uns wohl auch nicht. Wir müssen an die Berichte in den Medien á la Killerkühe denken und uns ist der leichte Anflug von Panik wohl anzumerken. Sofort dimmen wir unser Licht und schleichen uns so ruhig wie möglich an den Tieren vorbei. Nach diesem Schreck und nachdem wir das erste Teilstück bereits bewältigt haben, haben wir uns eine erste kurze Wasserpause verdient! Der Forstweg mündet nun in einen schmalen Waldweg, der uns bis zur Bärenbadalm, mitten im Karwendel, führt. Es beginnt bereits zu dämmern und ein erster Blick auf das Tal und den Achensee, der nun bereits gut zu erkennen ist, wird uns zuteil. Der weitere Aufstieg führt teils durch den Wald, teils legen wir die Strecke auf lichten Abschnitten zurück und schon bald wird unsere Lichtquelle auf dem Kopf überflüssig. Es ist ein wahres Naturschauspiel und wunderschön zu beobachten, wie der Mond immer mehr verblasst und die Nacht dem Tag weicht. Der einzige etwas anspruchsvollere Teil der Wanderung erwartet uns kurz vor dem Gipfel: Eine kleine Kletterpartie und etwas schroffer, steiniger Untergrund fordern dazu auf, die verbliebenen Kräfte zu mobilisieren.

Die Anstrengungen der vergangenen zwei Stunden sollten allerdings schnell entschädigt sein: um Punkt 05:17 erreichen wir das Gipfelkreuz des Bärenkopfs – in etwas mehr als fünf Minuten sollte die Sonne über Tirol aufgehen und einen neuen Tag einläuten. Ich glaube, es ist unnötig, diesen Moment mit Worten zu beschreiben versuchen. Überzeugt euch selbst!

Wir haben diese kostbare Zeit auf dem Gipfel sehr genossen und für sehr lange Zeit ausgekostet. Eine Beschreibung mit wichtigen Daten und Fakten gibt’s hier.

Dämmerung während des Aufstiegs

Sonnenaufgang am Achensee

Sonnenaufgang am Bärenkopf

Sunrise