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25.06.2014 10:48
Kategorie: Kultur, Events & Ausflüge
Von: Daniel

Von einer steirischen Legende…

…und der Tatsache, dass sich der eigentliche Grund eines Ausflugs manchmal als das unwichtigste Detail der ganzen Reise herausstellt.


Vergangenes Wochenende hat es uns nach Spielberg verschlagen. Grund: Natürlich die Formel 1. Doch die ganze Geschichte reicht weit über die Ereignisse eines simplen Autorennens hinaus, doch beginnt genau mit einem solchen. Dafür müssen wir aber einige Monate zurückgehen.

Vor etwas mehr als einem halben Jahr haben wir uns eingebildet, an einem Go-Cart-Rennen teilnehmen zu müssen. Warum? Absolut keine Ahnung, vermutlich nur, weil keiner von uns bisher mehr als zweimal ein solches Gefährt von innen gesehen, geschweige denn an einem Rennen teilgenommen hat. Am Tage des Geschehens schätzen wir unsere Chancen trotz stolzer zwei Trainings doch noch etwas gering – vor allem Robert, der augenzwinkernd folgendes zu uns sagte:

„Wenn IHR es ins Finale schafft, dann geb‘ ich eine Runde Eintrittskarten zur Formel 1 aus!“

Witzigerweise waren die meisten der anderen Teilnehmer in etwa so talentiert und trainiert wie wir, sodass Philipp und ich uns am Ende doch irgendwie ins Finalrennen schwindeln konnten. Sieg hin oder her – die Karten für die Formel 1 waren gesichert!

Tag  1 – vergebliche Hoffnungen

Das bringt uns nun zum Wochenende des Rennens, das wir am Freitag mit einer Übernachtung in Fieberbrunn einleiteten. In der Alten Post fanden wir nebst großartiger Kost und moderner Zimmer auch einen Raum, in dem die Fußball-WM auf einer Leinwand gezeigt wurde. Ach ja - Fußball gibt’s ja auch noch. 18:00 Uhr – Italien gegen Costa Rica. Wir hätten das Spiel wohl mit weniger Spannung verfolgt, wäre unser lieber Philipp nicht zufällig aus Südtirol und – obwohl Südtirol ja laut verschiedenster Aussagen „NICHT Italien ist“ – absoluter Italien-Fan. Trotz aller Hoffnungen unterlagen die Italiener schließlich, und dass Philipp dann im zweiten Match für die Schweizer gehofft und gejubelt hat, hat diese auch nicht gerade mit Glück gesegnet.
Zweimal falsch getippt – das sollte sich noch weit über diesen Tag hinaus auswirken, aber dazu später!

One night in Fieberbrunn bzw. Philipp is Ricciardo

Viele hatte dann doch die Müdigkeit gepackt, die meisten von uns begaben sich auf ihre Zimmer, einige wenige Hartgesottene verweilten noch an der Hotelbar der Alten Post. Als es auch hier zur Sperrstunde kam, konnte die reizende Bardame mit viel (um diese Tageszeit definitiv nicht mehr vorhandenem) Charme dazu überredet werden, uns das Nachtleben von Fieberbrunn zu zeigen.  Wir landeten schlussendlich in einem Etablissement, das den glorreichen Namen „D&D“ (drunter und drüber) trägt. Eine typische Dorfdisco mit einem markanten Unterschied: Es gibt eine Metalltür, hinter der sich Dinge befinden, die….wie sagt man….in Fieberbrunn das Nachtleben zum Nacktleben werden lässt. Also jeder der Freuden an Freudenhäusern hat ist hinter dieser Tür scheinbar herzlich willkommen!

Wir haben uns also in besagter Dorfdisco an die Bar gesetzt und einen Drink bestellt, als wir plötzlich eine Durchsage durch das Mikrofon vernahmen:

„Ladies and Gentlemen, someone famous just entered our bar! Race car driver Daniel Ricciardo is in the house!!!!”

Und da waren schon alle Lichter auf unseren Philipp gerichtet, der von diesem Moment an in der Welt der Promille ein berühmter Rennfahrer war! Tja – so spielt das Leben! ;-)

Tag 2 – weiter gen Osten!

Gegen Mittag verabschiedeten wir uns dann von der Alten Post und von Fieberbrunn und fuhren im „mehr-oder-weniger-Konvoi“ in Richtung Spielberg. Mehr oder weniger deshalb, weil Auto Nummer 1 etwas zu rasant (Barbara sah das wohl als Qualifikationsrennen für die Formel 1) für Auto Nummer 2 war (in dem wir wohl einen beachtlichen Teil der Autobahn mit unserem Autoradio unterhielten – George Ezra und The Script feat. Will.i.am. lassen grüßen, doch dazu später nochmal) und Auto Nummer 3 erst eine halbe Stunde später startete (und erst ankam, als der Parkplatz, auf dem wir uns bereits befanden, vorübergehend abgesperrt wurde – das Telefonat hättet ihr hören sollen!)

Irgendwann war es dann doch soweit, dass wir uns alle am Parkplatz befanden und unser Zelt aufschlugen. Ja, richtig, wer in Spielberg Formel 1 schaut, muss einfach campen! Wir verbrachten die letzten Sonnenstunden damit, die Gegend etwas zu erkunden und uns im sogenannten „Formel 1 Village“ ein Riesenschnitzel zu genehmigen und Philipp darum zu bitten, am nächsten Tag beim Rennen für jemanden zu hoffen, den wir NICHT mögen. Mahlzeit!

Sonnenaufgang in der Nacht – Sunrise Avenue live

Nach dem Essen ging’s ab zur ö3-Party, was sich von der derzeitigen Position aus gesehen als wahrer Irrweg durch ein Camping-Labyrinth herausstellte. Pünktlich zum Konzertbeginn von Sunrise Avenue hatten wir es vor die Bühne geschafft. Die Finnen lieferten eine großartige Show, die natürlich all ihre Hits von Fairytale Gone Bad über Hollywood Hills bis hin zu Lifesaver umfasste, und auch wenn Sunrise Avenue in erster Linie für ihren Pop-Rock und ihre Balladen bekannt sind, so haben sie auf diesem Konzert gezeigt, dass sie durchaus auch die härtere Gangart beherrschen. Gratulation zu einer richtig tollen Show!

Tag 3 – das Rennen und wie wir alle zum roten Ampelmännchen wurden

Sonntag halb sieben in Spielberg – langsam krochen alle vereinzelt aus den Lagerstätten, die Sonne ließ sich auch schon blicken und wir konnten beobachten, wie der Pilgermarsch hin zur Rennstrecke bereits begann. Nach einem schnellen Frühstück schlossen wir uns dem Marsch mit Sack und Pack an und befanden uns weit vor acht Uhr schon auf der Wiese vor der Strecke. Ein nahezu wolkenloser Himmel in Kombination mit sorgte dafür, dass wir alle nach dem GP3-Rennen brutzelten, nach dem GP2-Rennen glühten und spätestens zum Porsche-Cup aussahen wie das rote Männchen auf der Ampel. Bleibt die Frage, wer das Genie war, das statt Sonnencreme eine Tube voll Backfett eingekauft hat und uns alle zum eincremen gab. Nein, wir hatten uns natürlich nicht mit Backfett eingeschmiert, aber so wie wir am Ende aussahen (und immer noch aussehen) könnte man das glatt meinen.  

Die Tribünen hatten sich bereits komplett gefüllt, als dann die Flugshow und die Ehrenrunden der hiesigen Legenden der Formel 1 begann und das Hauptrennen immer näher rücken ließ. Pünktlich um 14:00 Uhr durften wir dann miterleben, wie zum ersten Mal seit Jahren ein Formel 1 Rennen am Red Bull Ring in Spielberg stattfand – sehr beeindruckend natürlich, und das Sebastian Vettel mitten in der dritten Runde sein Auto direkt vor uns parkte, damit wir einen besseren Blick darauf werfen konnten, war natürlich eine absolut lobenswerte Geste! ;-)
Am Ende konnten wir dann auf einen beeindruckenden Doppelsieg für Mercedes und ein gelungenes Rennen zurückblicken!

Der Weg zurück bzw. „Grilling in the name of…“

Nach einem kurzen Marsch zurück zum Parkplatz zwischen 90.000 anderen Menschen konnten wir genau das beobachten, was uns Robert prophezeit hatte: Der AUSPARK-SUPER-GAU! Alle fuhren zugleich los, was so viel bedeutete wie: Alle kamen drei Meter voran und reihten sich ein in das nervöse Prozedere, das hauptsächlich aus hupen, schimpfen und nicht vorankommen bestand.
Das Geniale für uns an dieser Situation: Robert und Olga hatten für alles gesorgt, das zu einer zünftigen Grillfeier gehört. Wir haben uns also provokant neben den Hupern und Schimpfern auf eine Picknickdecke gesetzt und den Griller angeheizt, bis die ganze Auspark-Show vorbei war! Einer dieser Momente, in denen Schadenfreude einfach sowas von schön ist!

Gestärkt begaben auch wir uns eine gute Stunde später auf den Heimweg und ließen das ganze Wochenende nochmal Revue passieren und kamen zum Schluss, dass das Rennen an sich zwar sehr interessant ist, man sich aber nur für diese zwei Stunden die Anreise sparen kann (ausser man ist absoluter Formel 1 Fan). Was so einen Ausflug wirklich unvergesslich macht, ist das ganze Drumherum – die Streckenbesichtigung, die Konzerte und und und…

Ach ja, bevor ich es vergesse – da war ja noch die Geschichte mit unserem Autoradio. Was die Liedauswahl angeht, haben wir die meiste Zeit der Fahrten immer dieselben Nummern gehört. Unter anderem war da „Budapest“ von George Ezra (hauptsächlich wegen youuu huuuuu) und „Hall Of Fame“ von The Script feat. Will.i.am. – über dieses Lied hatten wir uns schon seit längerem etwas lustig gemacht, da es für uns alle den Anschein hatte, als würde der Part von Will.i.am im ganzen Song nur aus einem Wort im Chorus bestehen: „YEAH“.

Wir fuhren also so dahin und glaubten uns schon aus der Stau-Gefahrenzone, als es so ein Raketenwissenschaftler geschafft hatte, sich mitten im Tunnel mit seinem Wohnmobil querzustellen. Und immer, wenn es mal wieder langsam voranging, es staute, wir weder vor noch zurück konnten, lauschten wir den weisen und bedeutungsvollen Worten von Will.i.am, die uns immer wieder Mut machten, neue Hoffnung gaben und uns wissen ließen, dass es im Leben immer wieder weitergeht: „…YEAH“.

Spielberg1

Spielberg2

Spielberg3

Spielberg4